Kreditwissen - Einleitung
Jeder Verbraucher kann innerhalb seines wirtschaftlich aktiven Lebens in die Situation kommen, einen Kredit beantragen zu wollen. Die Inanspruchnahme von solchen Fremdmitteln macht in vielen Situationen durchaus Sinn, manche Vorhaben sind ohne Kreditmittel annähernd nicht zu realisieren. Während es durch die Verschärfungen, die das Basel II Verfahren den Banken in Europa auferlegt hat, im Allgemeinen zu einer Komplizierung der Beantragungssituation in Bezug auf Kredite gekommen ist, bietet das Internet gleichzeitig eine Fülle von Angeboten in Bezug auf unkomplizierte Darlehen und schnelle Entscheidungsprozesse in Finanzierungsfragen an.
Grundsätzlich gilt hier, dass der interessierte Verbraucher sich ein gutes Basiswissen in Bezug auf Finanzierungen anschaffen sollte, um die Lage versetzt zu sein, eine wirtschaftlich sinnvolle und verantwortliche Entscheidung in Bezug auf den Einsatz von Fremdmitteln zu treffen. Der Markt ist zwar sehr unübersichtlich geworden, dennoch weisen die meisten Angebote Parallelen auf, die diese vergleichbar und transparent machen. Beschäftigt sich der Verbraucher mit dem Grundwissen im Bereich Kredit und Finanzierung, so ist er dadurch in die Lage versetzt, seine letztliche Entscheidung vor dem Hintergrund von klaren Fakten treffen zu können, anstelle auf die teilweise irreführende Werbung mancher Anbieter anzusprechen, die nicht immer die beste Lösung darstellen.
Geht dem Kreditantrag eine ausführliche Beschäftigung mit dem gesamten Themenbereich voraus, so erhöht sich die Chance erheblich, einen Anbieter zu finden, dessen Produkte zu einer langfristigen Geschäftsbeziehung führen, die für beide Seiten vorteilhaft und zufriedenstellend verläuft.
Kreditwissen: Kreditarten
Grundsätzlich sollte das geplante Finanzierungsprojekt zunächst genau analysiert und in diesem Zuge einer bestimmten Kreditart zugewiesen werden. Die bestehenden Angebote unterscheiden sich vor allem in Bezug auf den Zweck des jeweiligen Darlehens und hier gilt es, von vornherein innerhalb des richtigen Bereiches zu recherchieren. So unterscheiden sich Baufinanzierungen, Real-, Sofort-, Anschaffungs-, Auto- oder Umschuldungskredite in erheblichem Umfang voneinander. Nur bei der korrekten Auswahl der individuell geeigneten Kreditart kann der Kreditnehmer zu einem Abschluss gelangen, der seine speziellen Anforderungen in ausreichendem Maß berücksichtigt.
Die Anforderungen an ein privates Verbraucherdarlehen sind dabei vielfältig und in hohem Maße von der Person des Interessenten, seiner wirtschaftlichen Situation und auch der geplanten Anschaffung, Maßnahme oder Investition abhängig.
Fühlt sich der Verbraucher hier mit dem Marktangebot überfordert, so empfiehlt es sich, Beratung in Anspruch zu nehmen. Diese wird teilweise von den Anbietern selber gewährt, kann aber ebenso durch die Verbraucherschutzorganisationen und ihre Geschäftsstellen in Anspruch genommen werden. Zwar erscheint diese Vorgehensweise als aufwändig, allerdings sollte bedacht werden, dass ein Kreditvertrag den Kreditnehmer oft über Jahre an bestimmte Konditionen und Vertragsformen bindet und alleine vor diesem Hintergrund sehr sorgfältig ausgewählt werden sollte.
Konditionsvergleich
Insbesondere gilt es die Konditionen der Angebote sorgfältig miteinander zu vergleichen. Hierzu ist es erforderlich, dass zunächst eine Klarheit über die verwendeten Begriffe besteht, ohne die viele Angebote nicht vollständig verstanden werden können. Grundsätzlich sind hier die Zinsen, die Tilgung, die Bearbeitungsgebühren, die Laufzeiten, die konkreten Auszahlungsbeträge und eventuell geforderte Abschlüsse von zusätzlichen Verträgen, zum Beispiel gegenüber Versicherungen, zu berücksichtigen und zu vergleichen. Besonderer Augenmerk sollten auf den Effektivzins gelegt werden, da dieser sämtliche Kosten, die mit dem Kredit verbunden sind, enthalten. Nominalzinsen stellen, im Gegensatz dazu, nur den reinen Zinssatz, ohne die Berücksichtigung zusätzlicher Gebühren oder Nachteile durch reduzierte Auszahlungen (Disagios) dar und sind damit nur bedingt zum Vergleich verschiedener Angebote geeignet.
Bereits bei der ersten Beurteilung eines Kreditangebotes sollte schon geprüft werden, unter welchen Bedingungen ein Kreditvertrag während der Laufzeit wieder gekündigt werden kann. Aufgrund von Veränderungen am Geldmarkt kann es im Verlauf immer zu Situationen kommen, in denen eine Umschuldung gewünscht ist, um bessere Zinsen zu realisieren. Prüft an hier bereits zu Beginn die Möglichkeiten der vorzeitigen Kündigung und die dabei zum Tragen kommenden Entschädigungszahlungen oder Gebühren, so kommt es später nicht zu bösen Überraschungen.
Verbraucherschutz
In Deutschland schützt der Gesetzgeber den Verbraucher im Bezug auf den Abschluss von Kreditverträgen umfangreich. Die Anbieter werden in diesem Zusammenhang dazu verpflichtet, umfangreiche, detaillierte und transparente Informationen über das jeweils angebotene Produkt zu kommunizieren. Versäumt der Anbieter die Erfüllung entsprechender Pflichten, so stehen dem Verbraucher umfangreiche Widerrufsmöglichkeiten, selbst über die obligatorische Frist von 14 Tagen hinaus, zur Verfügung.
Dennoch sollte sich der Interessent immer darüber im Klaren sein, dass ein Widerruf, neben einem erhöhten Aufwand und eventuell einem zeitraubenden Streit, dazu führt, dass der benötigte Kreditbetrag nicht mehr zur Verfügung steht und erneut ein Anbieter gefunden werden muss, der für den angestrebten Vertrag geeignet ist. Vor diesem Hintergrund sollte die Auswahl des Anbieters und des Produktes von vornherein mit der gebotenen Sorgfalt und Gründlichkeit erfolgen.
Kommt es zu einer Situation, in denen sich Kreditgeber und Verbraucher nicht miteinander einigen, so steht bei der Deutschen Bundesbank eine Schlichtungsstelle zur Verfügung, die bei entsprechenden Streitfällen angerufen und um Vermittlung ersucht werden kann.